Mitleid beim Hund

Mitleid beim Hund? Bitte nicht! Hunde empfinden Mitleid beim Menschen als Schwäche.

Im Blog Post "aller Anfang ist schwer" erwähnte ich schon kurz die Thematik "verhätscheln vom Hund und die Folgen"
Darauf möchte ich in diesem Post näher eingehen. Ausserdem gehts auch darum, wie wir mit unseren Energien unsere Hunde beeinflussen.

Hunde sind sehr sensible und treue Wesen. Sie beobachten ihren Menschen ganz genau. Und was noch wichtiger ist und das ist etwas was mich immer wieder überrascht, und mir manchmal auch leid tut, ist das sie unsere Energien genau spüren. Sie merken genau ob wir traurig, glücklich, nervös, angespannt, traurig, euphorisch oder wütend sind. Man muss nicht einmal ein Wort sagen, SIE SPÜREN ES GANZ EINFACH, NONVERBAL.
Mein Fuchs spürt ganz genau wenn ich vorhabe das Haus zu verlassen, ob ich nur einkaufen gehe oder ob ich aus gehe. Er kennt nicht nur die Abläufe die sich ja bei den meisten Menschen ähneln, sich schminken, Schuhen anziehen, Musik hören oder nicht, welche Jacke wir wählen. Mein Fuchs merkt es sogar wenn ich regungslos auf der Couch sitze, sobald ich angespannt bin, egal ob freudig oder genervt, er reagiert darauf.

Er wird unruhig, hebt jedesmal den Kopf oder steht auf wenn ich mich erhebe, kläfft bei jedem Geräusch im Treppenhaus, brummelt und grummelt vor sich hin. Je nach dem was ich vorhabe legt er eines dieser Verhalten an den Tag. Das ist manchmal echt creepy und stellt mich vor viele Herausforderungen.

1. Ich bin ein eher unruhiger, unausgeglichener, ungeduldiger und lauter Mensch und kann mich nicht verstellen. Vor Menschen nicht und vor meinem hochsensiblen Hund sowieso nicht. Ich habe das Gefühl das er an meinem Herzschlag erkennt ob ich aufgeregt bin oder nicht. Ohne das ich ihn berühre. Seit ich ihn habe übe ich mich im ruhiger sein, aber auch wenn es mir äusserlich gelingt, er spürt meine Anspannung trotzdem. Wir können unseren Hunden nichts vormachen. Weil mein Fuchs selbst sehr nervös und ängstlich ist, daher eigentlich darauf angewiesen ist, ein ruhiges und ausgeglichenes Frauchen zu haben, stehe ich seither täglich vor der Prüfung meinem Hund Sicherheit und Ruhe zu bieten. Dafür muss ich hart an mir arbeiten, aber genau deshalb ist er wohl zu mir gekommen.

2. Weil ich so ein emotionaler Mensch bin, meine Energien sehr stark und der Fuchs sehr sensibel ist, hat es natürlich schwerwiegende Auswirkungen wenn ich Mitleid mit ihm habe. Er spürt diese Energie aber er ordnet sie einfach unter Schwäche ein. Ergo hat er das Gefühl das ich schwach bin. Somit ist er als Beschützer zur Stelle, ungefragt aber für ihn sonnenklar. Frauchen ist schwach also muss ich die Kontrolle über die Situation übernehmen. Das kann soweit gehen das der Hund anfängt zu beissen und alles tut um sein "armes, schwaches" Frauchen zu beschützen. So war es bei uns. Seine Angst gegenüber Männern schlug irgendwann in Aggression um. Das ich selbst ( Erfahrungen und so) Männern generell nicht vertraue, sie sogar als den Feind betrachte, wie soll ich dann dem Hund vermitteln das er sich keine Sorgen machen muss? Also begann er erst jeden männlichen Besucher in unserer Wohnung nicht nur bei jeder Bewegung anzukläffen, nein er massregelt sie, schnappt und macht deutlich klar was er von ihnen hält. Und ganz ehrlich? Ein bisschen lustig finde ich es eben schon und auch etwas schmeichelhaft denn ich hatte bisher noch nie jemanden der mich verteidigte. Natürlich spürt der Fuchs auch das. Doch leider übertrug sich das Verhalten dann auf jede Art von Besuch, also auch auf die Freundinnen von mir, die er eigentlich kannte und mochte(draussen zumindest)

3. Was also tun? Als erstes, kein Mitleid mehr. Hunde leben im hier und jetzt, das haben sie uns Menschen voraus. Für sie zählt die Vergangenheit nicht. Das kann man echt von ihnen lernen. Es gibt ja auch keinen Grund mehr Mitleid zu haben denn er lebt ein wunderbares Leben. Was war spielt für ihn keine Rolle mehr. Die Ängstlichkeit und Schreckhaftigkeit hat nichts mit Erinnerungen im menschlichen Sinn zu tun, sondern ist einfach gelerntes Verhalten.

4. Fazit: Seit ich kein Mitleid mehr mit dem Fuchs habe, sondern ihn wie einen normalen Hund behandle ,ihn nicht mehr so verhätschle, läuft es viel besser. Er hört auf mich, liegt ruhig im Körbchen ( Ok muss ihn mehrmals hinschicken, aber er kommt dann wirklich zur Ruhe) und hat nicht mehr das Gefühl sich immer und überall einmischen zu müssen. Er versteht jetzt das es keinen Grund mehr gibt, mir nicht zuzutrauen mit dem Geschehen fertig zu werden.

5. Frau soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Natürlich haben wir "Rückfälle". Ich bin ja auch nur ein Mensch. In Zeiten wenn es mir nicht so gut geht, entsteht der selbe Effekt, wie wenn ich Mitleid hätte. Er spürt die Schwäche und fühlt sich verpflichtet das Zepter in die Hand zu nehmen. Dann haben wir wieder "Diskussionen" darüber was der Besuch "darf" und was nicht. Aber das Schöne ist ja. Jeden Tag hast du die Möglichkeit, deinem Hund neues zu lernen. Neu zu beginnen. Weil Hunde im Moment leben. Es sind wir Menschen an denen es hapert. Mit unseren Stimmungen beeinflussen wir das Verhalten unserer Hunde mehr als wir denken oder uns lieb ist.
Wie kann ich von meinem Hund verlangen dass er alle liebt und zu jedem Vertrauen hat wenn ich es selbst nicht tue??


Was ich hier schreibe sind meine ganz eigenen Erfahrungen. Es gibt selbstverständlich auch Hunde die komplett anders oder gar nicht reagieren, die keine oder wenig Notiz von den Energien ihres Menschen nehmen oder einfach anders damit umgehen.
Dennoch lege ich meine Hand ins Feuer, dass jeder Hund seines Besitzer`s Spiegel(Bild) ist.